Wissen.
Hintergründe zur Pflanze und zur Forschung, mit Quellenangaben.
Warum diese Seite existiert
Hier findest du keine Beratung und keine Kaufempfehlung. Wir sammeln Informationen rund um Cannabis sativa: zur Pflanze, ihrer Geschichte, zur aktuellen Forschung und zum Umgang.
Wir schreiben als Verein. Wir verkaufen nichts und stellen keine Diagnosen. Bei gesundheitlichen Fragen geh zu einer Ärztin oder einem Arzt. Bei Sorgen um den eigenen Konsum hilft eine Beratungsstelle. Die Nummern stehen am Ende dieser Seite.
Die Pflanze und ihre Geschichte
Cannabis sativa gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Botanisch ist sie eine einjährige, zweihäusige Pflanze: männliche und weibliche Blüten wachsen auf getrennten Individuen. Die weiblichen Blüten bilden harzige Drüsen aus. In diesen Drüsen entstehen über 100 Cannabinoide. Am besten erforscht sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD).
Kulturhistorisch gehört Hanf zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheit. Eine genomweite Studie von Ren et al. (Science Advances 2021, DOI: 10.1126/sciadv.abg2286) datiert die Domestikation in die frühen Neolithikum-Zeiten Ostasiens, mit Ursprung im Nordwesten Chinas. Spätere Belege existieren aus dem antiken China, dem Mittelmeerraum und dem mittelalterlichen Europa. In Deutschland war Hanfanbau bis ins 19. Jahrhundert weit verbreitet, vor allem für Seile, Textilien und Papier.
Die rechtliche Geschichte des Konsums in Deutschland ist jünger: Verbot im 20. Jahrhundert, medizinische Verschreibung seit März 2017, Teil-Legalisierung des Konsums durch das KCanG zum 1. April 2024, gemeinschaftlicher Eigenanbau in Anbauvereinigungen seit 1. Juli 2024.
Was Forschung untersucht
Cannabis ist ein aktives Forschungsfeld. Die folgenden Übersichten zeigen den aktuellen Diskussionsstand. Wir geben die Studien wieder. Wir interpretieren nicht und sprechen keine Empfehlungen aus.
Chronische neuropathische Schmerzen. Eine aktuelle Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration (Ateş et al., 2026, Cannabis-based medicines for chronic neuropathic pain in adults, DOI: 10.1002/14651858.CD012182.pub3) untersucht Nutzen und Risiken cannabisbasierter Arzneimittel und kommt zu dem Schluss, dass die Evidenzlage für eine abschließende Bewertung weiterhin unzureichend ist.
Spastik bei Multipler Sklerose. Eine Cochrane-Übersicht von Filippini et al. (2022, Cannabis and cannabinoids for symptomatic treatment for people with multiple sclerosis, DOI: 10.1002/14651858.CD013444.pub2) beschäftigt sich mit der Anwendung von Nabiximols und Cannabisextrakten in der symptomatischen MS-Therapie.
Chronische Tic-Störungen / Tourette. Forscherinnen und Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover um Prof. Kirsten Müller-Vahl untersuchten in der CANNA-TICS-Studie (Müller-Vahl et al., 2023, Psychiatry Research 323:115135, DOI: 10.1016/j.psychres.2023.115135) Wirksamkeit und Sicherheit von Nabiximols bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit chronischen Tic-Störungen.
Therapieresistente Epilepsien im Kindesalter. Eine Konsens-Publikation in Epilepsia Open (Wechsler et al., 2024, DOI: 10.1002/epi4.12956) befasst sich mit der Optimierung der Behandlung mit dem zugelassenen CBD-Präparat Epidiolex® bei Lennox-Gastaut-Syndrom, Dravet-Syndrom und tuberöser Sklerose.
Chemotherapie-induzierte Übelkeit. Eine Meta-Analyse in Supportive Care in Cancer (Chow et al., 2025, DOI: 10.1007/s00520-025-09251-w) untersucht den prophylaktischen Einsatz von Cannabinoiden gegen Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie im Vergleich zu anderen Antiemetika.
Deutsche Versorgungsdaten. Der BfArM-Abschlussbericht zur Begleiterhebung nach § 31 Abs. 6 SGB V (BfArM-Pressemitteilung 05/2022 vom 11.07.2022) wertet anonymisierte Daten zu rund 21.000 Behandlungen mit Cannabisarzneimitteln aus. Häufigste Indikation: chronische Schmerzen (über 75 %). Weitere häufige Anwendungsgebiete: Spastik (9,6 %), Anorexie/Wasting (5,1 %).
Worauf du achten solltest
Cannabis ist kein neutraler Stoff. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung benennt drei zentrale Risikofaktoren: frühes Einstiegsalter, hohe Konsumfrequenz und hohe THC-Konzentration. Das Bundesgesundheitsministerium hält in seinem FAQ zum Cannabisgesetz fest, dass das menschliche Gehirn bis zum Erreichen der Reife mit 25 Jahren besonders verletzlich ist. Wer regelmäßig konsumiert, kann eine Abhängigkeit entwickeln; Konzentrations- und Gedächtnisbeeinträchtigungen sind dokumentiert.
Mischkonsum mit Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen erhöht das Risiko unkalkulierbarer Wechselwirkungen. Im Straßenverkehr gilt seit dem 22. August 2024 ein THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml im Blutserum (§ 24a Abs. 1a StVG). Cannabis und Autofahren passen nicht zusammen.
Wenn du konsumierst, dann mit Bedacht: niedrig dosieren, täglichen Konsum vermeiden, Pausen einplanen, nicht alleine in belastenden Lebensphasen. Diese Hinweise kommen aus der Suchtprävention.
Wenn du dir Sorgen machst
Es gibt einen Punkt, an dem Selbstbeobachtung nicht mehr reicht. Wenn du dich oft fragst ob der Konsum noch im Rahmen ist, sprich mit Profis. Die Beratung ist anonym und kostenlos.
- BZgA-Infotelefon zur Suchtvorbeugung: 0221 89 20 31 (Mo–Do 10–22 Uhr, Fr–So 10–18 Uhr)
- drugcom.de: Selbsttest, Chat- und E-Mail-Beratung
- Quit the Shit (quit-the-shit.net): anonymes Online-Programm zur Konsumreduktion oder zum Konsumstopp
- Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen (NLS): nls-online.de
- Lokal in Göttingen: Fachstelle für Sucht und Suchtprävention, Diakonieverband Göttingen-Münden, Drogenberatungszentrum, Neustadt 21, 37073 Göttingen, Tel. 0551 38905 (Cannabis, illegale Drogen, Substitutionsbegleitung)
Was wir nicht sind
Damit nichts durcheinandergerät:
- Wir sind keine Ärztinnen und Ärzte. Wir stellen keine Diagnosen und sprechen keine Therapieempfehlungen aus.
- Wir sind keine Apotheke. Medizinisches Cannabis gibt es ausschließlich auf ärztliche Verordnung und über Apotheken.
- Wir sind kein Shop. Innerhalb des Vereins gibt es keinen Verkauf. Die Weitergabe an Mitglieder erfolgt zum Selbstkostenprinzip.
- Wir sind keine Werbeplattform. Diese Seite informiert sachlich nach § 6 KCanG.
Vertiefen
- BfArM, Medizinisches Cannabis: bfarm.de/cannabis-als-medizin
- BfArM, Abschlussbericht Begleiterhebung: bfarm.de/cannabis-begleiterhebung
- BIÖG/BZgA Cannabisprävention: cannabispraevention.de
- Infos zum Cannabisgesetz: infos-cannabis.de
- drugcom.de: Drogeninformationsportal der BZgA
- Cochrane Library: cochranelibrary.com
- Deutsche Schmerzgesellschaft, Patienteninformation Cannabis: schmerzgesellschaft.de
- Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen: nls-online.de
Bitte beachte: Wir bieten keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt deines Vertrauens. Diese Seite enthält ausschließlich allgemeine Informationen im Sinne von § 21 Abs. 3 KCanG (Aufklärung und Prävention) und stellt weder eine Empfehlung noch eine Werbung im Sinne von § 6 KCanG oder § 10 HWG dar.